PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG

Übernehme die Verantwortung für dein Leben – Teil I

KEIN FROSCH MEHR SEIN

Wo war das in Spanien

Ein typischer Tag im Jahr 2015

Wecker. Snooze… Snooze… Snooze…

Ich quäle mich aus dem Bett und hetze mich ab, um es noch pünktlich ins Büro zu schaffen. Habe weder etwas getrunken, geschweige denn gefrühstückt. Ich bin unglaublich müde, frustriert, schlecht gelaunt und total demotiviert. Ich kotze mich ehrlich gesagt selber an.

Im Büro angekommen hole ich mir einen Kaffee in der Kantine, höre mir die schlechte Laune der Kolleginnen an (wir sind alle nicht so positiv eingestellt) und setze mich dann an meinen PC. Ich bin an den meisten Tagen nach spätestens zwei Stunden mit meiner Arbeit fertig und den Rest der Zeit muss ich so tun, als ob ich hoch beschäftigt wäre. Was nicht daran liegt, dass es in meinem Job nichts zu tun gäbe oder ich keine Lust auf meine Arbeit habe.

Nein, meine Stelle wurde in den Vormonaten immer weiter von der Geschäftsführung zurück gefahren – natürlich hat das aber niemand offiziell kommuniziert. Der neue Geschäftsführer hat schlichtweg andere Prioritäten.

Ich bin die Greenwashing-Stelle des Unternehmens schlechthin – so kommt es mir zumindest vor. Ich sitze da nur noch, damit das Unternehmen sagen kann, wir haben jemanden, der sich um diese Themen kümmert. Aber ich soll bitte nicht unbequem sein, etwas fordern, verändern und verbessern wollen.

Zuhause angekommen – es ist mittlerweile 18:00 Uhr – gehe ich mit den Hunden, esse etwas, wenn ich mich dazu aufraffen kann, mache noch ein bisschen Haushalt und dann gehe ich ins Bett.

Aufstehen, Arbeiten, Heim kommen, Schlafen… und das jeden Tag. Ich würde jede Woche fünf Tage meines Lebens am liebsten streichen.

Ich bin ein Opfer meines Gedankenkarussells

Ich bin gefangen in einer Spirale aus Selbstmitleid, Angst, Abhängigkeit, Negativität und depressiven Zügen. In der Welt in meinem Kopf bin ich ein Opfer der Umstände um mich herum. Und ich sehe keinen Weg, etwas an meiner Situation zu ändern. Ich fühle mich hilflos und ausgeliefert.

Mir fehlt auch die Kraft, mir neue Perspektiven zu erarbeiten, die Situation ist komplett festgefahren und wird von Tag zu Tag unerträglicher.

Und trotzdem sagt das Gedankenkarussell:

Ist doch alles halb so wild. Du hast einen sicheren Job. Du könntest schlechter verdienen. Stell dich nicht so an, die Kollegen sind doch nett. Du brauchst nur 7 Minuten bis zur Arbeit. Es ist bequem. Reiß dich zusammen, es könnte viel schlimmer sein. Deine Mama hält es in ihrem Job ja auch aus, was beschwerst du dich eigentlich? So ist das halt als Angestellte. Du wirst für’s rumsitzen bezahlt, es gibt anstrengendere Jobs. Wer bist du eigentlich, dass du meinst, von etwas Besserem träumen zu können? Sei froh, dass du einen Job hast.

Das Karussell dreht sich rasend im Kreis und mir wird schlecht.

Der Anfang vom Neuanfang – Mitte 2015

Das Personalgespräch steht an. Ich sage meinem Chef wie bereits die vier Mal zuvor, dass ich unzufrieden bin, woran das liegt und biete ihm direkt Lösungsvorschläge und Möglichkeiten an, die Situation zu ändern und mir eine Perspektive zu geben. Ich sage aber auch ganz klar, dass ich kündigen werde, wenn sich nicht unmittelbar etwas ändert. Rückblickend bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich es zu dem Zeitpunkt auch wirklich gemacht hätte.

Ich habe gar nicht daran geglaubt, aber 1 Woche später bekomme ich die Weiterbildung genehmigt, die ich schon seit 4 Jahren machen möchte. Darüber hinaus werden mir Perspektiven für die Zeit nach der neun Monate dauernden Weiterbildung angeboten. Also bleibe ich.

Aus heutiger Sicht war die Weiterbildung das Beste, das mir passieren konnte und gleichzeitig für meinen Chef wohl die schlechteste Entscheidung im Hinblick darauf, mich im Unternehmen zu halten und mich neu für meine Stelle zu motivieren.

Es ist vollkommen okay, etwas Besseres zu wollen – Herbst 2015

Nach ungefähr zwei Stunden der Weiterbildung – die sich an junge Führungskräfte richtete und uns das Handwerkszeug zum nachhaltigen Führen mitgeben sollte – war für mich klar: In diesem Unternehmen werde ich nicht bleiben!

Wo war das in Spanien

Umgib dich mit Menschen, die dich supporten und groß denken

Das erste Mal war ich von Menschen umgeben, die so gedacht haben wie ich. Menschen in meinem Alter, die etwas anders, etwas besser machen wollen. Junge Menschen, die etwas verändern möchten.

Die Gruppe war sofort ein Safe Place – für uns alle. Wir konnten einfach sein und genau so waren wir richtig. Unsere Bubble vermisse ich noch heute ab und an. Aber mit ein paar dieser wundervollen Menschen habe ich weiterhin Kontakt und der Austausch ist immer inspirierend. Sich mit Menschen zu umgeben, die einen unterstützen und ein ähnliches Mindset haben, ist so unglaublich wertvoll!

Wie hieß der Ort?

Der Anfang meiner Reise zu mir selbst

Im Rahmen dieser Weiterbildung habe ich viel über Persönlichkeitsentwicklung gelernt. Habe Dinge neu gedacht und mich weiterentwickelt.

Das erste Mal wurde ich mit Fragen konfrontiert – und auch „gezwungen“, mich mit diesen auseinanderzusetzen – die nicht immer angenehm waren, mir in meiner persönlichen Weiterentwicklung jedoch sehr geholfen haben.

Das erste Mal hatte ich das Gefühl, dass meine Antworten ernst genommen wurden und ich Unterstützung bekommen habe.

Wo will ICH hin?

Was ist MIR wichtig?

Was bedeutet ERFOLG für mich?

Was macht MICH glücklich?

Träume groß und unerschrocken und dann träume noch größer

Ein Schlüsselerlebnis war eine Aussage meines Mentors.

Mein Mentor hatte mir ein paar Coaching-Fragen zur Beantwortung geschickt. (Ich habe für dich einen Artikel mit meiner Sammlung von Fragen, die dir beim Neudenken helfen können, erstellt. Zum Artikel geht’s HIER.) Eine Frage, die er mir stellte, war: Wenn du vor dich hinträumst, wie sähe das beste und erfüllteste Leben für dich aus?

Als er meine Antwort gehört hat, hat er gefragt: „Aurica, wann hast du aufgehört zu träumen?“.

Ich wusste im ersten Moment nicht, was er meinte, doch dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich habe genau das getan. Ich habe verlernt zu träumen.

Das war ein unglaublich emotionaler Moment mit vielen Tränen. Ich habe die kleine Aurica mit all ihren Wünschen und Träumen vor mir gesehen, wie ein Traum nach dem anderen verschwunden ist und auch kein neuer Traum mehr dazu kam und am Ende war gar keiner mehr da.

Und es fällt mir selbst nach vier Jahren immer noch manchmal schwer zu träumen, Wünsche oder Visionen zu formulieren und mir etwas vorzustellen, das ich erreichen möchte. Die anerzogenen Glaubenssätze stehen mir noch immer ab und an im Weg. Ich stehe mir im Weg.

Das großartige ist, dass ich mich dann selber dabei erwische und mich daran erinnere, wie wichtig es ist groß zu Träumen, um ein Leben zu führen, was einen mit Sinn und Glück erfüllt.

Schlüsselerlebnis Nummer zwei:

Bei einem anderen Seminar hat uns die Dozentin von einem Experiment zu Verhaltensweisen von Fröschen erzählt.

Wirft man einen Frosch in heißes Wasser, springt er sofort wieder aus dem Wasser raus, um der lebensfeindlichen Umgebung zu entfliehen. Setzt man die Frösche jedoch in einen Behälter mit kaltem Wasser und erhöht die Temperatur Schrittweise, bleiben die Frösche sitzen, bis es zu spät ist.

Die Frage der Dozentin an uns lautete: „Wie lange möchtest du noch ein Frosch sein?“

Meine Antwort war sofort da – Ich will kein Frosch mehr sein!

An diesem Tag beschloss ich, noch meine Weiterbildung zu Ende zu machen und mich dann von meinem Job zu verabschieden.

Aber wie ich zu etwas anderem werden kann, als einem Frosch und was ich dann werden will, das war mir zu dem Zeitpunkt nicht klar.

Zeit mutig zu sein und zu handeln. Handeln nimmt uns unsere Angst.

Bis ich den ersten aktiven Schritt raus aus dem Topf mit fast kochendem Wasser gemacht habe, sind noch mal 5 Monate vergangen.

Ich hatte zu dem Zeitpunkt in meinem Kopf überhaupt keinen Raum zum Träumen, zum Neu-, Anders- und Querdenken. Gleichzeitig habe ich mich selbst unglaublich unter Druck gesetzt, indem ich mir eingeredet habe, ich kann die Situation nur verlassen, wenn ich genau weiß, was danach kommt. Von Tag zu Tag ging es mir schlechter.

Bis ich dann irgendwann aufgewacht bin und dachte: ich will gar nicht planen, ich will einfach springen und schauen, was kommt. Ich will Freiheit, Ungebundenheit und einfach sein ohne Erwartungen.

Ende 2016 war es dann so weit. Ohne Plan B habe ich meinen Job gekündigt. Und bis heute habe ich es nicht ein einziges Mal bereut.

[Wie es nach meiner Kündigung weiter ging, kannst du demnächst in Teil II lesen.]

14 thoughts on “Übernehme die Verantwortung für dein Leben – Teil I”

  1. Hey Aurica,

    Ich finde es so toll, dass Du einen Blog gestartet hast, habe gerade Deine ersten beiden Artikel gelesen und finde sie sehr inspirierend und zum Nachdenken anregend.

    Besonders in diesem hier habe ich mich total wiedergefunden und sooo viele Parallelen entdeckt.

    Auch ich habe ja inzwischen einen Aufhebungsvertrag unterschrieben ohne ganz genau zu wissen, wie es weitergeht.
    Was mir immer noch oft total verrückt und wahnsinnig vorkommt!

    Aber soll ich dir was sagen? Ich habe dir vor einiger Zeit mal geschrieben, dass ich mir so unsicher bin ob ich es wagen soll….

    Weißt du noch wie Du geantwortet hast? ?

    Mit einer Gegenfrage! „Was ist das Schlimmste, was Dir passieren kann?“

    Diese Frage stelle ich mir seitdem immer wieder und sie hat mich letztendlich dazu gebracht, endlich die Entscheidung zu treffen!

    Ich danke Dir dafür, liebe Aurica, und wünsche dir ganz viel Erfolg und Freude mit Deinem Blog!

    Ganz liebe Grüße,
    Sabrina

    1. Liebe Sabrina,

      es bedeutet mir so viel, was du mir hier geschrieben hast! Danke, danke, danke! <3

      Ja, die Frage ist wirklich auch so eine Game Changer Frage und was soll ich sagen, die habe ich auf der Liste tatsächlich vergessen. *lach* Aber diese Frage "Was ist das Schlimmste, das passieren kann?" ist soooo befreiend. Wenn unser Verstand darauf eine Antwort hat, dann wird das Herz mutig.

      So unglaublich toll, dass ich dich bei diesem so bedeutenden Schritt inspirieren konnte! Da geht mein Herz auf!

      Ich wünsche dir ganz viel Erfolg und Spaß bei allem, was da draußen auf dich wartet!

      Von Herzen ganz viel Liebe,
      Aurica

  2. Hey Aurica,

    part II, please?
    Total spannend, deine Anfänge so zu lesen. Ich muss gestehen, dass ich es zur Zeit extrem entspannend finde, wenn ich lese, wie lange es bei manchen Leuten von dem Gedanken “Ich muss was ändern” bis zum Punkt “Ich bin (finanziell) erfolgreich, mit dem was ich mache, was mir Spaß macht” dauert. So oft habe ich das Gefühl, nach dem Sprung muss sofort alles da sein, dass ich sofort Ergebnisse sehen muss, sonst kann ich mich vor der Kritik von außen nicht behaupten. Dabei ist es ja gerade der Prozess, der das so schön macht, oder?

    Ich nehme dich jetzt wahr und wie sehr du schon strahlst und inspirierst und bin grad total baff, dass deine Entwicklung dahin 2015 angefangen hat … Was für eine Reise schon! Toll! Ich bin sehr gespannt, mehr darüber zu erfahren und dich auch weiterhin dabei zu begleiten 🙂
    Deine Caro

    1. Caro <3 von Herzen Danke!

      Ja, man kommt immer wieder in Versuchung sich zu vergleichen, an sich zu zweifeln, sich rechtfertigen zu müssen... Aber wir dürfen nicht vergessen: Wir haben alle ein anderes Tempo, jeder ist auf seiner eigenen Reise. Das Gepäck ist für manche noch sehr schwer und der Weg steinig. Andere sind schon weiter und schleppen nicht mehr so viel mit sich rum, der Weg führt auf einer schönen Küstenstraße entlang.

      Und auch wenn es abgedroschen klingt: der Weg ist das Ziel.

      So schön, dass du mich begleitest! Ich hoffe, wir treffen uns bald und können gemeinsam ein wenig strahlen. <3

      Ganz viel Liebe für dich!
      Aurica

  3. Hallo Aurica, als ich Deinen Blog gelesen habe, war ich wieder in die Zeit zurückversetzt, die mich an den Rand der Verzweiflung gebracht hat.
    Ich bin unglaublich begeistert, wie Du Dein Leben meisterst und ich bin sehr gespannt auf den 2.Teil.
    Liebe Grüße Claudia

    1. Liebe Claudia,

      das war keine einfache Zeit für dich! Und ich bin froh, dass wir beide da raus gekommen sind!

      Vielen, vielen Dank für deinen Kommentar! Das bedeutet mir wirklich viel. ?

      Und ich finde, es wird Zeit für einen Kaffee und ein gutes Gespräch.

      Bis ganz bald
      Aurica

  4. Liebe Aurica,
    welch schöne Entscheidung und Ent-Wicklung durch deinen Text sichtbar wird. Und ja auch ich fühle mich erinnert, immer und immer wieder vor diesen Fragen zu stehen und ent-Scheidungen zu fällen, die meinen Weg anhaltend verändern. So lange wir uns bewegen, sind wir am Leben ♥️
    Alles Gute… auf die nächsten Texte freue ich mich!

    1. Silke, das hast du sehr schön geschrieben. Leben heisst Veränderung. Bleibe dir treu und wandle dich stetig. So heisst es doch, oder?

      Auf das wir uns noch ganz viel bewegen – körperlich und vor allem geistig! ?

      Schlaf gut!
      Aurica

  5. Liebe Auri,
    Du schreibst echt wunderbar. Ich bin schon ganz gespannt auf die nächsten Texte und wie es in Deinem Leben weiter gehen wird.
    Liebe Grüße. Nina

  6. Liebe Aurica,
    vielen Dank für deine offenen Worte und dass du deine Erfahrung mit uns teilst.
    Ich wollte zunächst abwarten und noch nicht lesen, wie dein Weg gewesen ist. Ich befinde mich gerade in der Anfangsphase einer Veränderung und am Beginn des Weges zu mir selbst und wollte mich nicht beeinflussen lassen. Doch habe ich in den letzten Tagen eine Art Route entwickelt, wie ich mein Leben bzw. was ich in meinem Leben ändern möchte. Die ersten Schritte sind gemacht und fühlen sich gut an. Und so war das Interesse an deinem Weg noch größer.
    Jetzt wo ich deinen ersten Artikel gelesen habe, gibt es mir noch mehr Auftrieb und Energie und ich freue mich noch mehr meinen Weg zu starten. Ich freue mich aber auch zu lesen, wie dein Weg weiter geht und ob es Parallelen gibt.
    Liebste Grüße und noch einmal tausend Dank!
    Hannah

    1. Hallo Hannah ?

      Es freut mich total, dass du meinen Beitrag gelesen hast und ich dich weiter inspirieren konnte deinen Weg zu starten!
      Ich bin sehr gespannt, wie es bei dir weitergeht.

      Ganz liebe Grüße
      Aurica

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